Psychisch Kranke gestalten Gottesdienst

 

Klagen ist ein zutiefst menschliches Handeln. Dies ist den Christen besonders in den Psalmen, die schon tausende von Jahren alt sind, überliefert. Im Gottesdienst am vergangenen Sonntag stellten psychisch erkrankte Menschen, die sich seit vielen Jahren im Evangelischen Gemeindehaus Ochsenhausen zu Kaffee, Frühstück und gemeinsamem Kochen treffen, neben diese überlieferten Psalmen ihre eigenen Klagen. Klagen über Beziehungsabbrüche, unheilbare Diagnosen und sozial aussichtslose Situationen. Besonders jetzt vor Weihnachten, in dieser geschäftigen Zeit, auf das große, frohe Fest hin orientiert, trifft psychisch Erkrankte ihre Verlassenheit und Einsamkeit besonders hart.

 

„Wo ist ein Ausweg?“, so das vielfache Rufen der Teilnehmenden. Pfarrer Jörg Schwarz sieht ihn in der vertrauensvollen Hinwendung zu Gott und erläuterte dies anhand der Geschichte des blinden Bartimäus. Dieser blind, ausgegrenzt, nur von Almosen lebend, gibt nicht auf. Er schreit nach Jesus, schreit um ein neues Leben – und sein Vertrauen rettet ihn.

 

Doch wie ist es heute? „Die Beobachter sehen nicht“, zitierte Pfarrer Schwarz Wolf Biermann. Bleiben wir nicht häufig in der Rolle des Beobachters? Wo wagen wir echte Begegnung mit kranken oder behinderten Menschen? Beim anschließenden Kirchenkaffee war dies möglich.

 

Infos zu Kaffeetreff, Frühstücks- und Kochgruppe für psychisch erkrankte Menschen: Evangelische Kirchengemeinde Tel. 07352/2455 und Gemeindepsychiatrisches Zentrum Tel. 07351/34951-200.