Geistliches Wort, Samstag 24.7.2010, Schwäbische Zeitung

Träumen Sie ab und zu? Oder vergehen ihre Nächte traumlos ? Und wenn Sie träumen- wovon träumen Sie ? Vom Traumurlaub ? Vom Lottojackpot ? oder vom Traumauto ?

Träumen scheint mir heute ein wenig in den Hintergrund getreten zu sein, als seien Träume eben doch „Schäume“ wie das Sprichwort sagt. Gestand man Kindern früher vielleicht noch zu, auch einmal tagträumend einfach aus dem Fenster zu sehen, so stören heute solch harmlosen Aktivitäten und werden vorschnell als Zeitverschwendung abgetan. 

Und so fragt ein Lyriker: Ist es vertan, wenn der Adler fünf statt zwei Kreise zieht und die Luft unter den Flügeln geniesst ? Ist es vertan, wenn das Kind sich im Spiel vergisst ? Ist es vertan, wenn der Liebende liebt ohne Blick auf die Uhr ? Ist es vertan, wenn ich den Wecker abstelle, den Traum weiterträume bis zum guten Ende?  

Allein den Sportlern und im Rahmen von Sportereignissen gesteht man das Träumen unumwunden zu, denkt man an die erst vergangene Fußballweltmeisterschaft zurück. Der Traum von der WM…

Aber  in der Schule und im Berufsleben sind Träume heute eher unerwünscht. Da verlässt man sich eher auf Zielvereinbarungen und bestenfalls – wenn es ganz zukunftsträchtig sein soll – auf Visionen. Die Vision vom „kreidelosen Klassenzimmer“ oder vom „papierlosen Büro “  wird uns da als erstrebenswerte  Zukunft vor Augen gemalt. Man grenzt sich ab von Träumen, die als Illusionen oder Phantastereien gewertet werden.

In der Bibel sind Träume wichtige Mitteilungsmittel. Vielleicht kennen Sie die Geschichte von Joseph, der dem Pharao in Ägypten als Traumdeuter auffällt. Vor allem deswegen, weil der die darin von Gott enthaltenen Botschaften entschlüsseln kann: sieben fette und sieben magere Jahre. Ähnliches  gilt z. B. auch für den Propheten Daniel. Und auch dem biblischen Stammvater Jakob wird ein besonderer Traum zuteil von einer Leiter, die bis in den Himmel reicht.

Offensichtlich erachtete man Träume als etwas Wichtiges, über das man sich austauschen konnte und das es auch wert war, darüber nachzudenken. Ein fast wehmütiges Verhältnis zu unseren Träumen und vielleicht eine Erinnerung an das, was sie für uns bedeuten können, finden wir heute in den von Indianern stammenden Traumfängern. Ein Schmuckstück, in kleiner Form selbst zu tragen oder – etwas größer -  geradewegs über dem Bett zu befestigen, damit die schönen Träume bewahrt werden.

Rein wissenschaftlich betrachtet träumen wir vier bis fünf Träume pro Nacht, vergessen diese aber wieder ganz schnell nach dem Aufwachen, außer man trainiert ein bisschen die Erinnerungsgabe. Menschen, die wirklich nicht mehr träumen, stehen daher in der Gefahr an Leib und Seele krank zu werden, ganz konkret wie uns die Traumforschung lehrt , aber auch im übertragenen Sinne.

Diesen Sachverhalt bedachten wir ganz aktuell zusammen in einem gemeinsamen Gottesdienst anlässlich der letzten Abschlussfeier der Joseph- Gabler – Hauptschule in Ochsenhausen. Hoffnung zu schöpfen aus alten Quellen, wie dem Propheten Jesaia, der einen „neuen Himmel und eine neue Erde „ verheißen hat, neue Ziele und Orientierungen für unsere Welt zu finden, so wie es Jesus getan hat unter Berufung auf die Prophetenworte, damit unsere Welt an diesen  Träumen wieder heil werden kann und sich alte Wunden schließen lassen. Das ist nicht Illusion, das ist Gottes Wille und Gottes Wirklichkeit.

Für die Schüler hieß das z. B. ganz konkret: sich nicht nach Äußerem zu beurteilen, sondern mit einander zu kommunizieren, sich nicht abgrenzen von Jugendlichen aus fremden Ländern, sondern von ihnen zu lernen, Schwache nicht zu missbrauchen um eigene Stärke zu demonstrieren, nicht einfach mitzuschwimmen um Anerkennung zu bekommen, sondern auch Zivilcourage zu zeigen und auch sich zu entschuldigen, wenn man einmal im Unrecht sei.

Darin wurde deutlich: wer glaubt, ist auch noch offen für Träume. Wer glaubt hat ein Bild von der Wirklichkeit in sich, das dem Alltag schon voraus ist. Da schöpft die Hoffnung aus Gottes gutem Geist auf  die Verheißung einer neuen Welt- oder wie es in einem Gebet heißt: Gott ich sehne mich nach Träumen, die meinem Tag Beine machen, meiner Seele Flügel geben und meinem Glauben den Weg weisen – zu dir.