Sichtwechsel

 

Liebe Mitglieder unserer Kirchengemeinde !

 

 

Der Glaube ist nicht nur eine Verstandessache, er ist auch und vor allem eine Herzensangelegenheit. Er geht durch Mark und Bein, geht über in Herz und Blut, meint immer den ganzen Menschen und nicht nur bestimmte Hirnregionen, die von Neurophysiologen oder Biochemikern vielleicht dafür verantwortlich gemacht werden. Der Glaube meint den ganzen Menschen, weil Gott den Menschen geschaffen hat, ganz und gar.

 

So werden wir in die Nachfolge gerufen, ein Weg den wir gehen, den aber schon ein anderer vor uns gegangen ist. Einer , der uns den Weg gebahnt hat und uns auf den richtigen Weg gebracht hat.

 

Wir Menschen sind aber eher zögerliche Wesen, fragen nach dem Ziel, werden unsicher, schauen zurück und denken an das, was wir zurücklassen.

 

Sind wir bereit zur Nachfolge ? diese Frage stellen und stellten sich auch die 24 Konfirmandinnen und Konfirmanden, die sich nun fast ein Jahr auf ihren festlichen Gottesdienst vorbereitet haben, in dem sie noch einmal ihr eigenes „ja“ zu ihrer Taufe in der Mündigkeit des Erwachsenwerdens sprechen. Mehr braucht es aber auch nicht, zum Wort kommt der Glaube und damit distanzieren wir uns auch ganz deutlich von allem sektenhaften Handeln, das Menschen vorgaukelt, sie müssten an obskuren Waldseen oder Bachläufen wiedergetauft werden. Diese Praxis ist nicht evangeliumsgemäß und setzt Menschenwerk an die Stelle der Zusage Gottes.

 

Der Kirche die Treue zu halten und sich zu bewähren auf diesem Weg der Nachfolge bedeutet auch, in der Konfirmation den Segen Gottes für den weiteren Lebensweg zu erbitten und ihn sich zusagen zu lassen. Gleichzeitig wollen aber auch wir als Gemeinde, diese jungen Menschen in unserer Gemeinde willkommen heißen und für Sie und Ihre Familien auch beten, ihnen zeigen, dass wir uns über sie freuen und mit ihnen auf ihrem Weg gehen wollen, um sie zu begleiten.

 

Im Evangelium nach Lukas heißt es (9,62) „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Nachfolge ist die Aufforderung, die aus diesen Worten spricht, aber auch Jesu unbedingte Einladung, auf seinem Weg zu gehen. Bleiben wir also miteinander nicht stehen, sondern machen wir uns auf den Weg, auch heute und gerade heute, wenn sein Wort an uns ergeht.

 

Sichtwechsel, liebe Gemeinde, ist etwas, das aber auch konkret  praktiziert werden möchte und deshalb freue ich mich, dass wir diesen Sichtwechsel  auch gemeinsam immer wieder versuchen. Ermutigend sind die Zeichen des gemeinsamen Weges, der ökumenische Gottesdienst am Reformationsfest im vergangenen Jahr, am Bibelsonntag in der Klosterkirche, mit dem Arbeitskreis Asyl   im evangelischen Gemeindezentrum. Hier wurde für jede und jeden deutlich, worin Nachfolge besteht. Für diese Gemeinschaft sind wir dankbar.

 

Seit dem Reformationsfest begleitet uns auch ein Sichtwechsel in unserem Kirchenraum. Schon seit dem Jahr 2008, der Anfangszeit  des neugewählten Kirchengemeinderats, war es ein Wunsch hier weiterzudenken und weiter zu überlegen, auch neue Formen der Spiritualität zu wagen. Das Kreuz auf dem Gemeindezentrum war ein erster Meilenstein, die Figur des auferstandenen Christus, des Pantokrators  wies uns dazu schon die ersten Schritte. Einen Sichtwechsel in der Perspektive probierten wir auch beim Gottesdienst im Grünen im August 2009 und wurden durch die Reaktionen ermutigt. Nun haben wir es auch gewagt, die Perspektive im Kirchenraum zu erneuern und freuen uns über die vielen positiven Rückmeldungen, die wir dazu bekommen haben, von der Gemeinde – das ist uns wichtig – auch von allen Gast – und Vertretungspredigern, die wir natürlich auch dazu befragt haben. Nun wollen wir einmal ein Kirchenjahr mit Ihnen, liebe Gemeinde, diesen neuen Weg gehen, diesen Sichtwechsel praktizieren und dann gemeinsam die Erfahrungen auswerten. Lassen Sie sich einladen zu diesem Sichtwechsel, lassen Sie sich einladen zu unseren Gottesdiensten, machen Sie sich auch auf den Weg und sehen und spüren Sie, wie einladend Gottes Wort an uns ist.

 

 

Es grüsst Sie ganz herzlich, Ihr Pfarrer Jörg Schwarz

 

 

P. S. Einladen lassen dürfen Sie sich auch zu unseren ganz besonderen Angeboten im Frühjahr, darunter in Kooperation mit dem Bildungswerk Ochsenhausen ein Abend, dessen Thematik hochaktuell ist „Gott schuf Darwins Welt“ – ein Abend in der Auseinandersetzung zwischen reiner Naturwissenschafts – Gläubigkeit und wörtlichem Bibelverständnis mit Dr. Hans – Jörg Hemminger von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart, am 3. März abends im Musiksaal des Gymnasiums (Unkostenbeitrag 4.-€)  und einem ganz neuen Angebot für Menschen, die sich für Inhalte des Glaubens interessieren, sich überlegen, ob sie in die evangelische Kirche eintreten wollen, zurückkehren möchten,  sich eventuell auch als Erwachsene taufen oder  konfirmieren lassen wolle, oder nach Jahren noch einmal etwas über ihre evangelische Kirche erfahren wollen – ein erster Abend dazu findet am Mittwoch 21. 4. Von  18 -19hr Uhr statt