Das Licht der Osterfreude

Wer am Palmsonntag an einer Prozession teilnimmt, wer am Gründonnerstag das Abendmahl feiert und an den Kartagen, sich das Geschehen um das Kreuz Jesu Christi vergegenwärtigt, der versucht nicht nur zu verstehen, was es mit Passion und Ostern auf sich hat, sondern wird geradezu selbst Teil des Geschehens im Glauben. Es ist eine regelrechte Liturgie, die sich da vollzieht; die Ereignisse gemeinsam abzuschreiten beim Einzug nach Jerusalem, im Abendmahlssaal , auf dem Hügel Golgatha und zuletzt am leeren Grab Jesu seine Auferstehung zu feiern. Wir sind unterwegs, als Pilger, als Glaubensvolk und in unserem Gepäck haben wir die Worte der Schrift, als Pilgerstäbe die Tradition und  - je nach dem – einen kleinen oder großen Glauben.

 

„Genau 40 Tage war ich hier im Krankenhaus und durfte hier, speziell in der Kapelle des Hauses, so viel Segen und die Nähe Gottes und unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn spüren. Dabei bin ich knapp dem Tode entronnen, aber unser Herr hat mir das Leben neu geschenkt.“

 

Der Patient, diese Zeilen geschrieben hatte, wollte wenig Aufsehen um seine Person machen. Seine Osterkarte erreichte mich ohne eine Angabe seiner Heimatadresse. Er hatte während der Zeit im Krankenhaus etwas geschenkt bekommen, das er nicht für sich behalten wollte. Es drängte ihn förmlich, diese geschenkte Erfahrung weiterzuverschenken. Und er tat dies in Form einer Kerze. Dazu schrieb er: „Mögen die Menschen, die hier in der Kapelle Tag und Nacht oft ein- und ausgehen, immer daran erinnert werden, dass unser Herr Jesus Christus lebt und nicht im Tode geblieben ist. Vielleicht kann diese Osterkerze als Symbol der Auferstehung Christi ein wenig dazu beitragen.“ Unterschrieben war die Karte mit den Worten: „In Dankbarkeit, ein Patient, der voller Freude heute das Haus verlassen darf.“

 

Ich erinnerte mich daran, dass ich eine ähnliche Erfahrung während eines ökumenischen Austauschprogramms gemacht hatte, als ich zu einem Ostergottesdienst der orthodoxen Kirche eingeladen wurde. Aus dem Dunkel der Nacht, in welcher der Gottesdienst begonnen hatte, wurde allmählich ein Lichtermeer, als die Osterbotschaft verlesen worden war: Christus ist auferstanden ! Er ist wahrhaftig auferstanden ! riefen die Menschen sich zu. Und als Zeichen dafür und zum Ausdruck ihrer Freude, reicht einer dem anderen das Kerzenlicht weiter, bis die Kirche hell erleuchtet war.

 

Das Licht der Kerzen hat eine Gleichniskraft. Es sammelt und führt zu der Quelle unseres Lebens: „Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“ So schreibt es auch immer wieder an uns der Apostel Paulus  (2 Kor4,6).

Dieser helle Schein in unserem Herzen soll nicht nur bei uns bleiben, sondern will verschenkt werden. Frohe Ostern !