Predigt zu Sonntag Judica 29.03.2020

Predigt zum Sonntag Judica  Pfr. Jörg Schwarz

„Schaffe mir Recht!“, ruft der Beter des 43. Psalms zu Gott. Seine Worte gaben dem Sonntag „Judika“ seinen Namen. Früher wurde dieser Tag auch der „Schwarze Sonntag“ genannt und eröffnete die Passionszeit. Lange Jahre war es der traditionelle Konfirmationssonntag in der württembergischen Landeskirche. Die Konfirmanden erschienen schwarz gekleidet.

Der Sonntag hat bereits die Perspektive auf den Karfreitag. Still und ernst wird dieser Sonntag in der Regel begangen – und doch wissen wir um die Strahlkraft der Auferstehung und feiern auch an diesem Sonntag schon, wenn auch verhalten, dass das Leben den Tod besiegt. Auch die Corona – Krise nur ein Schatten wirft, den die Ostersonne verjagen wird.

Karl Barth, Schweizer und evangelischer  Theologe, schrieb 1917 : Sowie wir auch nur mit einem Finger hindurchstoßen durch die dünne Schicht von menschlicher Gerechtigkeit und Sicherheit und Wichtigkeit, auf der wir scheinbar so ruhig wandeln, sofort stoßen wir auf den feurigen, unterirdischen Grund dieser großen Anklage, die einfach alles in Frage stellt: Was macht ihr aus eurem Leben? Was für eine falsche, verkehrte Welt baut ihr euch tagtäglich auf… Das ist der Schatten, der über unserem Leben liegt.

Viele Menschen bemerken gerade intensiv, wie zerbrechlich unsere Lebenszusammenhänge sind. Lange Zeit haben wir uns darüber hinwegtäuschen lassen mit allerlei „ Zuckerwatte“, die unseren Alltag überzogen hatte. Lange Trecks zogen an den Wochenenden über die Autobahnen, es wurde nicht danach gefragt, wer sich um die kümmert, die zurückbleiben, die krank, gebrechlich oder benachteiligt sind.  Wer die Regale in den Läden auffüllt, wer am Wochenende Notdienst hat, wer zu Diensten stehen muss in den wellness- Oasen und vor allem auf wessen Kosten das alles geschieht.

Der biblische Text für den heutigen Sonntag ist aus dem Hebräerbrief entnommen, aus dem 13. Kapitel, eigentlich nur die Verse 12- 14, aber ich habe die vorausgehenden mit dazu genommen, da sie in der jetzigen Situation ein sprechendes Zeugnis sind:

1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt. 4 Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; denn die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten. 5 Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn er hat gesagt (Josua 1,5): »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.« 6 So können wir getrost sagen (Psalm 118,6): »Der Herr ist mein Helfer, ich werde mich nicht fürchten; was kann mir ein Mensch tun?« 7 Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens. 8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 9 Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben. 10 Wir haben einen Altar, von dem zu essen denen nicht erlaubt ist, die am Zelt dienen. 11 Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. 12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Als Christen schauen wir nach Vorne – Sie erinnern sich vielleicht noch an die Predigt am Sonntag Laetare zum Evangelium aus Lukas 9, Verse 57- 62, sie finden sie auch auf der homepage. Als Christen ist es unsere Aufgabe, nicht zurückzublicken und an der Gegenwart festzuhalten und dann zur Salzsäule zu erstarren, sondern nach der zukünftigen „Stadt“ Gottes zu suchen!“  Darin steckt Hoffnung und Trost,  dass es eine Zukunft gibt, ist eine Kraftquelle! Wenn ich nur auf das schaue, was auf dieser Erde geschieht, möchte ich am liebsten die Augen davor verschließen! Aber, und das ist ein großes „Aber“ – unsere Zukunft liegt in Gottes Hand! Darauf zu vertrauen gibt Kraft, genau hinzuschauen, sich einzusetzen, nicht aufzugeben. An einer anderen Stelle in der Bibel heißt es: „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7). Darum geht es! Nicht wegschauen, nicht die Welt ihren Weg ins Verderben gehen lassen, sondern immer wieder nach Wegen suchen, die zum Frieden, zur Gerechtigkeit, zur Bewahrung der Schöpfung führen!

Mitte 1990 entwickelte eine Gruppe von Professoren auf Anregung des Dänen Kjelk Kirk Kristiansen, der damals Haupteigentümer des Lego-Konzerns war, das „Lego Serious Play“. Spielerisch-kreativ sollte mit dieser Methode die Zukunft in den Blick genommen und nach Lösungen gesucht werden. Was zunächst in Managerseminaren erfolgreich praktiziert wurde, kam vor einigen Jahren auch in die Kirche. Jugendkonvente, Kirchenvorstände oder andere Leitungsgremien bauen unter einer bestimmten Fragestellung mit den bunten Steinen. Ohne Perfektionszwang, ohne Zeitdruck. So entsteht Freiraum für Ideen; manchmal kommt es tatsächlich zu ungeahnten Problemlösungen.

Die zukünftige Stadt und  die zukünftige Kirche – wie werdem sie aussehen ? Auf den Bildern ist zu erkennen, Gott ist in der Mitte, getreu der Hoffnung aus der Offenbarung des Johannes: Siehe da Gottes Zelt ( Hütte in der Einheitsübersetzung) bei den Menschen, oder es sind auch Brücken zu erkennen. Darauf wird es wohl ankommen in der Zukunft: dass wir wieder Brücken schlagen lernen zu all denen, die wir verloren haben und die aus dem Blick geraten sind. Dazu braucht es Freiraum und Ideen und vor allem keinen Zeitdruck. Gottes Zukunft kommt ganz ohne uns.

Abendgebet

Liebe Gemeinde

 

in diesen Zeiten ist Solidarität auch, sichtbare Zeichen zu setzen über die engen Grenzen hinaus, die uns die sozialen Einschränkungen auferlegen. Stay at home! Trotzdem sind wir verbunden im Gebet, im gemeinsamen Anrufen und Flehen. Traditionell und öffentlich wahrnehmbar ruft die Glocke zum Gebet.

 

Unser Landesbischof Dr July hat das wie folgt formuliert: „Die Glocken sollen uns daran erinnern, dass wir unser Leben auch in diesen Krisentagen mit dem großen Horizont der Gegenwart Gottes sehen. Die Glocken rufen uns zur Andacht und Fürbitte. Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen.“

 

 

Um 19.30 Uhr werden alle evangelischen Gemeinden in Baden-Württemberg und den katholischen Gemeinden der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit dem Läuten der Glocken ein weiteres Zeichen der Gemeinschaft setzen.

 

Mancherorts sind auch schon Vorschläge formuliert worden, dass auf Balkonen wohnungsübergreifend gefeiert wird, ich weiß auch von Wohnanlagen, die um einen Innenhof herum feiern und beten.

 

An möglichen Liturgien in den Familien schlagen wir vor – wie gesagt, es kommt nicht darauf an, was man macht, sondern dass etwas gemacht wird und dies durch die Glocken und die Kerzen auch über die engen Räume der eigenen Wohnung hinaus öffentlich wird.

 

Alle Feiern beginnen mit

 

Einer: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“

Alle: Amen.

 

Die Kerze wird entzündet und ins Fenster, möglichst zur Straße hin, gestellt.

 

1)      Einfache Liturgie:

Einer: Wir beten in der Stille

(Gebetsstille)

 

Gemeinsames Vater unser

Segenswort: Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen.

 

2)      (Balkonsingen der EKD)

Einer: Wir beten in der Stille

(Gebetsstille)

Einer: Wir singen verbunden mit Christen überall im Land

(alle gehen auf den Balkon oder treten ans Fenster)

Lied: Der Mond ist aufgegangen

Einer: Wir beten gemeinsam

Vater Unser …

Einer oder alle: Luthers Abendsegen

 

„Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“

 

Alle: Amen.

3)      Eine Liturgie für ein Tagzeitengebet, wie sie im Stift Urach, dem Einkehrhaus unserer Landeskirche gefeiert wird, finden Sie unter https://stifturach.de/content/2-stift-urach/8-modern-froemmigkeit-leben/gebetsliturgien_stift-urach.pdf

 

 

 

 

 

 

Bleiben Sie behütet, gesund und stets von Gottes sanftem Segen getragen.

 

 

Ökumene  --

 

Gerne weisen wir auf Folgendes hin:

 

Glocken läuten um 19.00 Uhr abweichend zu der getroffenen Regelung zwischen Landeskirche und Diözese

 

Täglich um 19.00 Uhr werden alle Glocken der Kirchen der Seelsorgeeinheit St. Benedikt läuten. Sie sollen zum persönlichen Gebet einladen und ein stärkendes und verbindendes Zeichen in dieser schwierigen Zeit sein.

 

Wir wünschen Ihnen für die kommende Zeit viel Kraft, Ausdauer und Geduld.

 

Allen voran aber Gesundheit! Allen Kranken wünschen wir Gottes Kraft und Beistand!

 

Zusammenzustehen in Zeiten, in denen man Nähe meiden muss, ist eine Herausforderung für uns alle.

 

Wir können aber sicher sein, dass der gute Geist Gottes uns durch diese schwere Zeit begleitet.

 

Bleiben Sie gesund!

 

 

 

 

 

In diesem Zusammenhang auch noch einmal der Hinweis auf unsere Homepage  www.ev-ki-ox.de, wo Sie online - Gottesdienstangebote , sowie weitere Hilfen finden können.

 

Seelsorgerliches Gespräch: Dafür steht Ihnen Pfarrer Schwarz nach wie vor zur Verfügung, allerdings im Augenblick aufgrund der landesweitern Verordnungen nur noch telefonisch oder per mail unter: pfarramt.ochsenhausen@elkw.de

 

"Du bist nicht allein

 

TV-Reihe: Du bist nicht allein

 

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat das Evangelische Medienhaus beauftragt, gemeinsam mit dem Fernsehsender Regio TV eine bis Ostern konzipierte Gottesdienst-Reihe unter dem Motto „Du bist nicht allein“ zu produzieren. Den Start machte Prälatin Gabriele Wulz im Ulmer Münster.

 

Die nächste Ausstrahlung über Regio TV erfolgt am kommenden

 

Samstag 28.03. und Sonntag 29.03. jeweils um 11:00 Uhr, diesmal mit Prälat Dr. Christian Rose in der Reutlinger Marienkirche.

 

Nach der jeweiligen Ausstrahlung über TV finden Sie die ganze Reihe auch bei www.kirchenfernsehen.de

 

Unter https://www.youtube.com/channel/UCL8UX0iyAt5jzdCPOG5HHCg

 

Weitere Sendungen folgen mit Prälat Harald Stumpf aus Heilbronn, Diakonie-Chef Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold und Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July.

 

 

Predigt zum 22.03.2020 Pfr. Jörg Schwarz

Gedanken zum Sonntag Laetare, 22.03.2020

Pfr. Jörg Martin Schwarz, Evangelische Kirchengemeinde Ochsenhausen

 

Laetare, der 4. Sonntag in der Passionszeit – übersetzt: Freuet Euch !

Worüber gilt es sich zu freuen in dieser beunruhigenden Situation ? Menschen sind verunsichert, eine Mischung aus Angst, Ärger, Resignation, Ratlosigkeit macht sich unter den Menschen breit.

Bilder erreichen uns von leeren Straßen in den Städten und auch bei uns hat sich der Verkehr merklich vermindert. Videos werden weitergereicht – man sieht Menschen in langen Schlangen bei Einkaufsmärkten, es gibt Auseinandersetzungen vor den Regalen, an den Kassen. Das Personal ist entnervt, Kunden oftmals rücksichtslos.

Geschichten erreichen mich, die doch einen Hoffnungsschimmer erahnen lassen:

Ein junger Mann lenkt sein Automobil an den Waldrand – er atmet tief durch, streift die Ärmel des Pullovers hoch. Gerade stand er noch davon von seiner Firma ins Ausland versetzt zu werden für mehrere Monate. Zuhause die Eltern, gebrechlich, auf Hilfe angewiesen – wer hätte sich um sie kümmern sollen ? Eine Notlage schon in normalen Zeiten. Nun atmet er auf, geht ein paar Schritte spazieren. Nachher würde er seit langem wieder einmal bei Ihnen vorbei schauen können, ohne dauernd auf die Uhr oder aufs Smartphone zu schauen.

Als sich die Schulschließung abzeichnete hatte sie schon im Buchhandel die Bestellung aufgegeben. Ihre Termine, die sie mit Ihren Freundinnen im Fitness Studio vereinbart hatte, sagte Sie guten Gewissens ab. Sie holte die Bücher und ein Familienspiel noch ab und freute sich, dass in den nächsten Wochen auch ihr Mann zuhause sein konnte, man gemeinsam reden, kochen , spielen konnte und sich nicht alles um  Stundenplan und Arbeitszeiten drehte, trotz der dunklen Wolken, die sich da am Horizont auftürmten, würden sie für sich eine kleine Oase schaffen, füreinander da sein, so wie sie es schon immer eigentlich sein wollten, ohne äußeren Druck und Reglements.

Der junge Mann, wie auch die Ehefrau und Mutter atmeten auf, Sie freuten sich auf etwas. Mitten im Elend der sich abzeichnenden Zeit schufen wie für sich ein wenig Helligkeit und Trost.

Ähnlich beschreibt es der Prophet Jesaia im heutigen Predigttext (aus dem Buch des Propheten Jesaia Kapitel 66, Verse 10-14) 10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Heute ist der vierte Sonntag in der Passionszeit. Wir wissen, es werden noch weitere Sonntag in dieser Passionszeit folgen. Verstand und Sachwissen sagen uns, dass es noch düsterer werden wird bis Karfreitag und wir erst diese Strecke miteinander durchschreiten müssen, durch Dunkel, durch Not, durch Entbehrung, Trauer und Angst.  Erst danach ist uns ein Osterfest verheißen. Aber in der augenblicklichen Lagen, wissen wir nicht einmal, ob wir es feiern können, ob sich die Passionszeit, diese Leidenszeit nicht auf tragische Weise für uns und unsere Mitmenschen verlängern wird – wer weiß wie lange.

Da tut es gut zwischendrin eine Oase der Hoffnung aussuchen zu dürfen. Ein kleines Osterfest - Laetare – freuet euch – wir schauen nach Vorne auf das Osterfest und lassen uns davon inspirieren, im wahrsten Sinne des Wortes, lassen und anstecken nicht von einem Virus, aber vom lebendigmachenden und Hoffnung verschenkenden Heiligen Geist, den uns unser Herr Jesus Christus verheißen hat, als Tröster für die dunklen Stunden, denen wir gegenüber stehen.

Als Christen haben wir wirklich eine Hoffnung durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Wir dürfen Gott dankbar sein dafür und ihm unser Vertrauen schenken, auch dafür dass unser Vertrauen immer mehr wachsen kann trotz einer hoffnungslos erscheinenden Welt.

Es gibt einen wunderbaren Brauch, der treffend beschreibt, um was es an diesem Sonntag geht. Franziska F. Heinen ( Glaube im Alltag, Das verwandelte Korn) hat davon erzählt und diese Geschichte war die Anregung für die Familie zuhause:

Es gilt eine große Schale mit Erde zu füllen und dann Weizenkörner hinein zu stecken oder vielleicht auch andere Sämereien. Dann heißt es: Warten. Die Schale steht am Besten auf dem Fensterbrett, jeden zweiten Tag werden die Körner etwas gegossen. Dann heißt es wieder: Warten. Aber nicht so lange. Denn bald wächst ein wenig Grün aus der Erde. Die Körner verschwinden, bilden aber Wurzeln, aus denen kleine Halme herauswachsen. Und spätestens Ostern, also in drei Wochen, sind die Halme dick und grün und vielleicht schon zwanzig Zentimeter hoch.

So stehen diese Halme für den Wochenspruch, der uns in die neue Woche hineingeleitet:  Wenn das Weizenkorn, sagt Jesus, nicht in die Erde fällt und erstirbt, dann bleibt es allein; wenn es aber (in die Erde fällt) erstirbt, bringt es viel Frucht. (Evangelium nach Johannes Kapitel 12,Vers 24).

Nicht alle haben einen Garten, wo man jetzt schon jeden Tag beobachten kann, wie es um uns herum immer grüner wird.

Daher kann man es in der Schale auf dem Fensterbrett sehr gut beobachten:  Ein Korn fällt in die Erde, es stirbt – und ist doch nicht tot. Das ist das Wunder, das man ja eigentlich gar nicht begreifen kann.

Unser Glaube lässt uns jetzt schon mehr erkennen. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Ihr Glaube Sie in diesen schweren Zeiten etwas von der Hoffnung erkennen lässt, die über den aktuellen Tag hinausweist.

Bleiben Sie behütet !

Predigt zum 15.03.2020 Pfr. Jörg Schwarz

Pfr. Jörg Martin Schwarz, Evangelische Kirchengemeinde Ochsenhausen, 88416  Ochsenhausen

Sonntag Oculi,  15.03.2020 

 

Liebe Gemeinde ! – Liebe Leserin und  Leser !

 

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Wochenspruch aus dem Lukasevangelium (9,62)

 

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, er blickt nach vorne, auch wenn es entsetzlich ist, was er dort sieht. Wir gehen diesen Weg mit ihm und hoffen auf seinen Beistand dabei.

 

Das gilt natürlich auch für vielerlei Prognosen, die uns für die Zukunft an die Wand gemalt werden, angesichts der Virus – Epidemie vor der wir stehen. Aber auch gerade hier gilt es mit Jesus nach Vorne zu schauen und mit seinem Beistand unsere Zukunft miteinander gestalten.

 

 

 

Vom Ernst der Nachfolge – aus dem Evangelium nach Lukas

 

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

 

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

 

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

Liebe Gemeinde , liebe Leserin und Leser !

 

Viele Menschen, vielleicht auch Sie machen sich im Augenblick Sorgen um die Zukunft, um das Wohlergehen Ihrer Nächsten, sorgen sich um ihren Lebensplan und ihre Aufgaben. Welche Ratschläge gilt es ernst zu nehmen? was ist nicht für mich persönlich geeignet ? worin sehe ich einen Sinn? Wir haben heute dieses Jesus- Wort meine ich nicht umsonst vorgelegt bekommen. Vielleicht sind unsere Sorgen bereits übergroß und wir wissen nicht, ob wir morgen noch zu essen und zu trinken haben, ob unser Lebensunterhalt noch gesichert sein wird.

 

In diese Situation hinein spricht Jesus dieses Wort:

 

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

Er möchte uns damit etwas sagen, gerade auch im Hinblick auf neues Leben, auf unser Hoffen und Sehnen. Er sagt damit: Richtet Euch aus – neudeutsch: fokussiert euch.

 

Wer aus der Landwirtschaft kommt, dem brauche ich das nicht zu sagen – auch wenn heute Vieles schon GPS gesteuert abläuft – schaut nach Vorne, auf der Zugmaschine, am Pflug früher, sonst landet ihr irgendwo in den Hecken, im Abseits, im Nirgendwo – in der Wildnis ungeklärter Verhältnisse, ungeordneten Verhältnissen, Gedanken, ungeordneten Gedanken, Chaos.

 

Orientiert Euch nicht an den anderen, nicht an den Fragen von Erfolg und Misserfolg, tut man so oder tut man anders, was machen die anderen, Kaufen die schon ein oder habe ich Angst davon man würde mir vorwerfen zu hamstern, handle ich verantwortlich oder befürchte ich mich lächerlich zu machen – du wirst doch keine Angst vor so einem bisschen Virus haben – nein, Jesus macht hier eine klare Ansage, die er mit seinem Leben auch beschrieben, abgedeckt und verdeutlicht hat:

 

Anstatt sich Sorgen darüber zu machen, was ich bekommen werde , oder wie andere Leute reagieren, geht es darum klar vor Augen zu haben, zu fokussieren, in welcher Weise es möglich ist  zu dienen. Er fasst es für sich so zusammen: Der Menschensohn ist gekommen, nicht dass er sich dienen lasse, sondern, dass er diene und gebe sein Leben gebe als ein Lösegeld für viele.

 

 Ruf zur Nachfolge:

 

Wir hören über die Nachfolge: Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind und dann in-Mk 9,42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

 

Es geht darum, dass wir dienen, mit allen unseren Gaben, Talenten , die wir vom Schöpfer erhalten haben und dass wir uns einsetzen für die Sache Jesu, uns ausrichten auf Ostern, auf das Reich Gottes, wie es Jesus verkündigt, dann werden wir alle Unterstützung und Hilfe erfahren, die wir so nötig  brauchen in dieser Zeit.

 

Nachfolge ist Trösten, Stärken, Ermutigen. Nachfolge heißt: einem Menschen die Angst nehmen oder lindern. Weil Gott mächtiger ist als die Schrecken der Welt. Und der Himmel uns nie fern ist, in dem Jesus lebt und für uns sorgt.

 

Und auch in der jetzigen Krisensituation der Virus- Epidemie gibt es Möglichkeiten zur Bewährung.  Verharmlosungen entgegentreten,  für andere Verantwortung mit- zu übernehmen. Besonnen und beherzt handeln und dazu beitragen, dass die Ausbreitung des Virus begrenzt wird.

 

Wir spüren die Wucht des Virus wirkt brutal. Überall in der Gesellschaft wird man sich umstellen müssen. Und auch wir als Christen können dazu beitragen, wenn wir uns bescheidene Ziele setzen:

 

Zeit gewinnen, Panik verhindern, Menschen dabei helfen, vernünftige Entscheidungen zu treffen und das gemeinsame Gebet.

 

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                                                                              20. März 2020

 

Medieninformation



Schutz vor Corona-Virus: „Herz, Verstand und Abstand“

Weiteres Bischofswort des württembergischen Landesbischofs Dr. h. c. Frank Otfried July

Stuttgart. Der württembergische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July hat sich am Freitag mit einem weiteren Bischofswort an die Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gewandt. Seine Kernbotschaft inmitten der Corona-Krise: Jede und jeder einzelne kann durch verantwortungsvolles Handeln dazu beitragen, die Pandemie „einzudämmen und medizinische Mittel für eine angemessene Versorgung schwer kranker Menschen zu erhalten“.
Aus christlicher Nächstenliebe heraus gelte es, die von den Behörden erlassenen Einschränkungen im öffentlichen Leben zu befolgen, betonte July.
Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Kirche trotz des Verbots von Gottesdiensten und Andachten sowie von Versammlungen die Menschen nicht allein lasse: „Viele Pfarrerinnen und Pfarrer bieten über digitale Kommunikationswege ihre Begleitung und Präsenz an.“ Außerdem gebe es Telefon- und Briefseelsorge. Trotz der Notwendigkeit, in der aktuellen Situation körperlich Abstand zueinander zu halten, sei die „Nähe des Zuspruchs der Gnade und der Verlässlichkeit Gottes“ weiterhin gültig. Worauf es jetzt ankomme, sei: „Herz, Verstand und Abstand.“
Der Landesbischof wandte sich in seinem Bischofswort zudem mit „Anerkennung und Dank an die, die jetzt unermüdlich tätig sind. Ich danke den Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pfleger in den Krankenhäusern, dem Pflegepersonal in den Pflegeheimen und den Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, den mobilen Diensten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Arbeit mit Wohnungslosen und Geflüchteten.“ Und: „Ich denke in besonderer Weise an unsere Mitarbeitenden in der Diakonie in Württemberg.“
Sein Bischofswort - das auch als Videoblog veröffentlicht wurde und bereits das dritte seit der dramatischen Zuspitzung der Corona-Pandemie in der vergangenen Woche ist - beschließt Frank Otfried July mit einem Vers aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG 445,5):

„Führe mich, o Herr,
und leite meinen Gang nach deinem Wort,
sei und bleibe Du auch heute
mein Beschützer und mein Hort.
Nirgends als bei Dir allein
kann ich recht bewahret sein.“

Die Landeskirche bietet auch unter den eingeschränkten „Corona-Gegebenheiten“ reichhaltige Angebote:
Gottesdienste im TV wie den Samstag und Sonntag jeweils um 11:00 Uhr bei Regio TV ausgestrahlten mit
Prälatin Gabriele Wulz, live im Internet gestreamte Kindergottesdienste. Weiterhin gibt es zahlreiche
Initiativen der Nachbarschaftshilfe. Eine Zusammenstellung aus den Kirchengemeinden und -bezirken
sowie Werken der württembergischen Landeskirche und anderer Kirchen im deutschsprachigen Raum
finden Sie auf der Sonderseite Gemeindeleben online auf der Homepage der Landeskirche. Außerdem
finden Sie auf weiteren Sonderseiten Tipps und Hinweise zum Corona-Virus sowie geistliche Texte zur
Corona-Pandemie. Die Zusammenstellungen werden fortlaufend ergänzt und aktualisiert.
Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche

 

Textskript der Videobotschaft
am 20. März 2020



Liebe Schwestern und Brüder,

seien Sie herzlich gegrüßt in diesen so ungewöhnlichen Tagen.
Die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten steigen. Die Belastung für die Krankenhäuser nimmt weiter zu.
Worauf es jetzt ankommt: Herz, Verstand und Abstand:
Sie helfen, die Corona-Infektionen einzudämmen und medizinische Mittel für angemessene Versorgung schwer kranker Menschen zu erhalten. Darum bedarf es der genauen Beachtung der angeordneten Maßnahmen. Wir als christliche Kirche folgen aus Herzens- und Verstandesgründen diesen Verhaltensregeln: aus Nächstenliebe. Es kommt auf jeden und jede von uns an!
Zugleich spüren wir es persönlich und in unseren Kirchengemeinden, wie schwer es fällt, in dieser Krisenzeit keine öffentlichen Gottesdienste und Andachten in unseren Kirchen feiern zu können. Gerade jetzt fragen viele nach Trost und Begleitung, nach Aussprache und Gebet, nach Durchbrechung innerer und äußerer Einsamkeit – nach Nähe!
Viele Pfarrerinnen und Pfarrer bieten über digitale Kommunikationswege ihre Begleitung und Präsenz an, sind ansprechbar. Aber auch Menschen, die diese Formen weniger gewohnt sind, müssen und sollen erreicht werden. Telefon- und Briefseelsorge in der eigenen Kirchengemeinde sind gute Möglichkeiten.

Ihre Kirche, Ihre Gemeinde, die Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone und
andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen Sie nicht allein.
Wir bleiben verbunden.
Wir sind für Sie da.
Mich hat in diesen Tagen auch die Nachdenklichkeit des Bundestrainers Joachim Löw
berührt. Er fragt: Was ist jetzt wirklich wichtig?, und spricht von kollektivem Burnout. Das
Tempo, das wir vorgegeben hätten, sei zu hoch gewesen – wir hätten immer gedacht, alles
zu wissen und vieles Macht, Gier, Profit und Rekorden untergeordnet. Dabei müssen wir auf
die wichtigen Dinge schauen – darauf, was im Leben wirklich zählt.
Wir in als Kirche und mit unserer Diakonie wollen unseren Beitrag leisten, die gegenwärtige
Situation zu bewältigen. Dazu gehört die Anerkennung und der Dank an die, die jetzt
unermüdlich tätig sind. Ich danke den Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in
den Krankenhäusern, dem Pflegepersonal in den Pflegeheimen und den Einrichtungen für
Menschen mit Behinderung, den mobilen Diensten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in
der Arbeit mit Wohnungslosen und Geflüchteten. Ich denke in besonderer Weise an unsere
Mitarbeitenden in der Diakonie in Württemberg.
Als Christinnen und Christen wissen wir in diesen Tagen, dass wir auf Gottes Geleit
vertrauen können. Wir wissen um die Hoffnung, die für uns in wenigen Wochen an Ostern
wieder in besonderer Weise erfahrbar wird. Wir wissen um die Begrenztheit von uns
Menschen, aber auch um die großen Gottesgaben: um Glaube, Hoffnung und Liebe! Und
wir bedienen uns des Verstandes, der uns lehrt, in diesen Tagen Verantwortung zu
übernehmen.
Herz, Verstand und Abstand. Und zugleich: Nähe des Zuspruchs der Gnade und der
Verlässlichkeit Gottes.

Ich grüße Sie herzlich mit einem Vers aus unserem Evangelischen Gesangbuch:


“Führe mich, o Herr,
und leite meinen Gang nach deinem Wort,
sei und bleibe Du auch heute
mein Beschützer und mein Hort.
Nirgends als bei Dir allein
kann ich recht bewahret sein.”
EG 445,5


Gott behüte Sie!
Ihr
Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July