Geistliches Wort vom 10.06.2017 - Schwäbische Zeitung

 

Samstagmorgen auf dem Markt. Jung und Alt, Menschen unterschiedlicher Kulturen und Sprachen. Ein buntes Wirrwarr aus Ständen, Schirmen, Gemüse und Obst, Wortfetzen, Blumen, Düfte von frischem Brot und Backwaren.

 

Wenn ich das so sehe, und mir vorstelle, dass im Jahre 325 unserer Zeitrechnung sich Menschen in Nicäa, dem heutigen Iznik in der Türkei, nahe Istanbul angeregt und aufgeregt darüber unterhielten, was sich da in Ihrem Städtchen abspielte, habe ich ein lebendiges Bild vor Augen, das gar nicht mehr so angestaubt aussieht.

 

Zwischen 200 und 318 Bischöfe waren gleichzeitig zu Gast in der Stadt, um sich zu beraten. Wie ist das mit dem Heiligen Geist ? Wie ist das Verhältnis zu Gott, dem Schöpfer unserer Welt und zu seinem Sohn Jesus Christus ? Die Menschen waren Feuer und Flamme, diskutierten mit, hatten eine Meinung und es war ihnen bestimmt nicht gleichgültig, wie diese Frage aufzulösen sei.

 

Bereits in den Schriften des ersten und zweiten  Testaments gibt es erste Hinweise darauf, wie das zu verstehen ist, so auch im dreimal Heilig der Vision des Propheten Jesaia in Kapitel 6, das am morgigen Sonntag im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht. Dieses Bekenntnis zum dreieinen Gott wurde dann über Jahrhunderte weitergegeben, immer wieder neu formuliert und präzisiert. Es eint die Kirchen des Ostens und des Westens, gilt als das erste ökumenische Bekenntnis überhaupt noch vor den Zeiten der Globalisierung.

 

„ Diese Frage habe ich schon im Konfirmandenunterricht nie richtig verstanden“, entgegnet mir mein Obst – und Gemüsehändler. „Das ist doch hochtheologisch. Wie soll man sich das vorstellen ?“ – „ Ein Marktstand hat eine gewisse Länge, für die sie ja Marktgebühr entrichten, eine Breite und eine Höhe mit dem Schirm– aber es ist ihr Stand, ein  Ganzes mit drei Dimensionen, oder ?“ war meine erste Antwort.

 

Man kann sich einer Seite zuwenden, aber die anderen sind immer damit verbunden. Andere bevorzugen das Bild einer Kerze mit drei Dochten und einem gemeinsamen Feuer.

 

Ein besonders schönes Bild, wie ich finde, geht auf den Missionar mit Namen Patrick zurück, der vor über 1600 Jahren ins ferne Irland reiste, um die Botschaft von Gott dem Vater, Jesus Christus dem Erlöser und dem Heiligen Geist dem Lebensspender und Erneuerer den Inselbewohnern zu bringen.

 

Der König des Landes hörte von Ihm und daher schickte er nach ihm, um ihn zu fragen, ob es nun einen Gott gebe oder drei? Dies alles sei doch sehr verwirrend.

 

Der Überlieferung nach ging Patrick einige Schritte in eine Wiese hinein und fand ein Kleeblatt. Ein Blatt und dennoch drei Blätter. Dieses Kleeblatt sei ein Zeichen für den dreieinen Gott, erklärte Patrick dem König. Dies sei das große Geheimnis der christlichen Religion, das man mit dem Verstand nicht erfassen könne, aber mit dem Herzen im Glauben. Dieses Kleeblatt auf den Wiesen solle den König in Zukunft immer an den dreieinen Gott erinnern.

 

„ na ja- bekam ich zur Antwort, wenn Sie das so sehen. Sie sind Theologe. Ich bin halt Kaufmann. Eigentlich hätte ich Ihnen angeboten, drei Schälchen Erdbeeren zum Preis von zweien- aber, weil ihre Geschichte so nett war, gebe ich Sie ihnen zum Preis von einem.“

Pfarrer Jörg Schwarz