Geschäftsführungswechsel

stuhlmüllerpflege2020 übernimmt Geschäftsführung

Sozialstation stemmt sich gegen Corona-Krise

 

Ochsenhausen (sz): Die Ökumenische Sozialstation Rottum-Rot-Iller bekommt ab dem 1.April eine neue Geschäftsführung. Der Vorstand entschied sich nach intensiven Verhandlungen, mit der Firma stuhlmüllerpflege2020+ einen Dienst-leistungsvertrag abzuschließen. Neben der Wahrnehmung der Geschäftsführung im Rahmen von Satzung, christlichem Leitbild und den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Kunden und Sozialversicherungen, beinhaltet der Vertrag regelmäßige Berichtspflichten an den Vorstand. Außerdem die perspektive Entwicklung neuer Geschäftsfelder sowie Handlungsvorschläge zu der angestrebten Änderung der Rechtsform, die die Eigenständigkeit der Sozialstation langfristig sichern soll.

Dem Vorstand, der die Sozialstation in einer schwierigen Situation übernommen hat und nun durch die Corona-Krise mit all den Herausforderungen, die ambulante Pflegedienste im Land derzeit zu bewältigen haben, zu führen hat, ist das Risiko eines Geschäftsführungswechsel durchaus bewusst. Die Entscheidung für stuhlmüllerpflege2020+ begründet er auch damit, dass der Inhaber ein ausgewiesener Kenner von Kirchengemeinden getragener Sozialstationen ist und die Strukturen der Ökumenischen Sozialstation Rottum-Rot-Iller bereits kennengelernt hat.

 

Die kommissarischen Geschäftsführerinnen Dorothea Cerne und Christel Dickinson-Rogge beenden die Geschäftsführungsaufgaben und widmen sich wieder vollumfänglich ihren seitherigen Tätigkeiten. Der Vorstandsvorsitzende Michael Weber dankte den beiden Damen: „Sie haben in der vielleicht schwierigsten Zeit unserer Sozialstation seit ihrer Gründung einen sehr guten Job gemacht“!

 

„Die derzeitige Corona-Pandemie rückt näher an uns heran und stellt die Mitarbeiter*innen täglich bezüglich der Arbeits- und Handlungsabläufe vor tiefgreifende Schwierigkeiten und Hausforderungen“, so Vorstand Weber zur aktuellen Situation. Zur Vorbereitung auf einen möglichen Umgang mit
Covid19 erkrankten Klienten oder einen den Dienstbetrieb gefährdenden erkrankungsbedingten Ausfall von Mitarbeiter*innen, wurden von der Geschäftsführung Maßnahmenpläne erarbeitet und erlassen. Sie sehen ein zentrales Reaktionsteam mit hausärztlicher Unterstützung, ein flexibles Personaleinsatzmanagement sowie die kurzfristige Neuorganisation der Touren mit einer Anpassung pflegerischer Verrichtungen in Absprache mit Ärzten, Patienten und Angehörigen vor. Dies führt neben den bereits erfolgten Absagen der Betreuungsgruppen und den Angeboten der Nachbarschaftshilfe leider auch dazu, dass Einnahmen in größerem Umfang wegbrechen werden. Die prognostizierten positiven Zahlen im beschlossenen Wirtschaftsplan 2020 werden sich im Angesicht der Krise sicher nicht realisieren lassen.

 „Sehr ernst nehmen wir den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter*innen“, so Weber in der Pressemitteilung weiter. Leider ist festzustellen, dass es immer schwieriger wird, die Schutzausrüstungsgegenstände und Hygieneartikel in ausreichender Zahl zu bekommen. Anfragen an das Sozialministerium, die Kassenärztliche Vereinigung und den Caritasverband führten durchweg zu Absagen oder Vertröstungen. Auch aus einer Eilbestellung für 15.000 FFP2-Atemschutzmasken kann frühestens in vier Wochen eine Lieferung erwartet werden. Bis dahin nähen Mitarbeiterinnen und Förderinnen der Sozialstation Stoffmasken in Heimarbeit.

Michael Weber erklärt: „Wir sind trotzdem zuversichtlich, auch in der aktuellen Lage unseren Klienten ein Maximum an Dienstleistung und Sicherheit für unseren gemeinsamen Weg in die Zukunft geben zu können.“

Ökumenische Sozialstation

Die Sozialstation Rottum-Rot-Iller e.V. hilft in der Kranken- und Altenpflege pflegebedürftigen und alten Menschen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung die Aufgaben des täglichen Lebens nicht alleine meistern und deshalb auf Hilfe von außen angewiesen sind. Sie hilft diesen Menschen mit qualifizierter ambulanter Pflege.
Die Haus- und Familienpflege unterstützt Familien in Notsituationen.

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Zur Geschichte der Ökumenischen Sozialstation

 

 

Am 8. April 1974 wurde die Sozialstation Rottum-Rot-Iller in Ochsenhausen gegründet. Sie wurde als Modellstation nach den Richtlinien des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung vom Land Baden-Württemberg gefördert. Ziel war, die Sozialstation als Verein eintragen zu lassen. Als ordentliche Mitglieder waren von Anfang an die Katholischen und Evangelischen Kirchengemeinden des Dekanats Ochsenhausen vorgesehen. Vorgesehen war auch, die politischen Gemeinden des Versorgungsgebietes mit ins Boot zu nehmen. Von Anfang an war das Hilfespektrum auf drei Säulen angelegt:

  • Krankenpflege
  • Altenpflege
  • Haus- und Familienpflege

Nach dem Vereinszweck der ersten Stunde soll dieser ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke verfolgen ohne Rücksicht auf religiöse Bekenntnisse. Unstrittig war von Anfang an auch die Versorgung aller Hilfesuchender ohne Rücksicht auf Entfernung. Letzteres ist auch heute in dem sehr weitläufig und sehr zersiedelten Vereinsgebiet wichtig und entspricht dem caritativen Grundgedanken dieser Einrichtung. Dass dies umgesetzt werden kann ermöglichen auch die Fördermitglieder, die ursprünglich aus den Krankenpflegevereinen der Kirchengemeinden hervorgegangen sind und mit ihrem Jahresbeitrag von 20,45€ die Sozialstation mit einem finanziellen Grundstock ausstatten, der den caritativen Einsatz erleichtert.

Ursprünglich war die Sozialstation fast ausschließlich eine Einrichtung der Kirchengemeinden mit staatlicher Förderung als Modellstation. Im Laufe der Zeit wurden dann auch die politischen Gemeinden ins "Boot" geholt, zunächst als Hauptmitzahler am Abmangel, dann aber auch verstärkt als Mitgestalter und Mitbestimmer durch Vertretung in der Vorstandschaft. Dekan Sontag war der 1. Vorsitzende und Bürgermeister a.D. Leo Boeckh der erste Geschäftsführer. Der damalige Landtagsabgeordnete Franz Baum als Förderer der Vereinsgründung war 2. Vorsitzender und ist heute noch als erfahrener Mann der ersten Stunde im Vorstand. Ihm ist es wohl auch als damaliger maßgeblicher Sozialpolitiker unseres Landes zu verdanken, dass die Stadt Ochsenhausen Sitz und Zentrale der zunächst einzigen Sozialstation zwischen Donau und Bodensee wurde mit staatlicher Förderung als eine der ersten von 16 Modellstationen im Lande. Der Landkreis gab gleichfalls eine Zuschusszusage und die Kirchengemeinden und Gemeinden eine Garantie zur Abmangelübernahme

Unsere ökumenische Sozialstation

 

 

Im Sonntagsgottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Ochsenhausen am  Sonntag, den 14. April,, dem Sonntag vom " Guten Hirten" nutzte Pfarrer Jörg Schwarz dazu, die Ökumenische Sozialstation Rottum-Rot-Iller den Gottesdienstbesuchern bzw. allen Gemeindemitgliedern wieder näher ins Bewusstsein zu bringen. Neben dem Dienst am Altar, der Liturgie, stehe ebenso gleichwertig der Dienst am Nächsten, die Diakonie. So ist jeder Christ dazu aufgerufen , sich seiner Taufe zu erinnern und in der Nachfolge Jesu Christi zu leben, der gesagt hat: " Was ihr einem unter diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Diese große christlich geprägte Solidargemeinschaft wird auch nach außen im Dienst am Nächsten deutlich sichtbar , "outet" sich und mischt sich ein. Die Pflege bedarf der Unterstützung aus der Gemeinde, denn nur gemeinsam und verteilt auf viele Schultern ist dieser so wichtige Dienst am Nächsten zu leisten.

 

 

Der geschäftsführende Vorsitzende Peter Züllig dankte im Gottesdienst für diese große Solidargemeinschaft und unterstrich, dass es sich dabei zurecht, wie es Pfarrer Schwarz formuliert habe, um "unsere " Sozialstation handele.

 

 

Seit 1974 tragen die  evangelischen und  katholischen Kirchengemeinden der Region, unterstützt von den bürgerlichen Kommunen, die Sozialstation ideell und finanziell. Diese Konstruktion der Sozialstation wurde von den Gründervätern bewusst so gewählt und  ist im Land Baden - Württemberg nur noch selten ähnlich anzutreffen .  Für das Jubiläum der Sozialstation im kommenden Jahr kündigte er bereits den Festredner, Herrn Ministerpräsident a. D. Erwin Teufel an, der sich bei der Anfrage noch genau an die Gründungszeit und die Unterstützung durch die evangelische Christin und damalige Sozialministerin Annemarie Griesinger erinnerte. Seit 2011 trägt die Sozialstation die Ökumene auch im Namen. Die Ökumenische Sozialstation verkörpert wie kaum eine andere Einrichtung unserer Region gelebte christliche Werte im Alltag.