Schwäbische Zeitung

Ausgabe vom 21.Februar 2009 / Nr. 34 Stadt und Land / Kirchen
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Wo ist euer Glaube ?
Pfarrer Jörg Schwarz, evangelisches Pfarramt Ochsenhausen
 
   Wo ist euer Glaube, fragt Jesus seine Jünger im Evangelium nach Lukas (8,25)und es ist mir als frage er es auch ganz direkt uns. Wo ist euer Glaube in diesen Zeiten, wenn es eng wird, wenn es stürmisch wird, wenn uns der Wind entgegen bläst – wo ist euer Glaube? Habt ihr ihn für den Sonntag aufbewahrt, für die Gottesdienste, für die Zeiten, wo von Barmherzigkeit und Nächstenliebe die Rede ist und sein darf?
   Aber wo ist er jetzt, wenn es heißt, nur der Beste setzt sich durch, derjenige, der sich am besten angepasst hat an die Verhältnisse, der schweigt, wenn die anderen gemobbt werden, wenn sie niedergemacht werden, wenn aussortiert wird, wenn es darum geht, das Fähnchen nach dem Wind zu hängen – wo ist euer Glaube ?
   Wenn wir das Wort „Glaube“ gebrauchen, dann ist es zunächst eine Mischung aus einem Fürwahrhalten von Glaubenssätzen und Dogmen, einem Beachten kirchlicher Traditionen und dem Gegensatz von naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten.
   Das ist aber bei Jesus nicht gemeint. Wenn er von Glaube spricht meint er etwas anderes. Er meint damit : Seid ihr bereit, euer Leben vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen?
   „Credo“ – ich glaube, da steckt auch im Wort „Kredit“ und was das bedeutet, das wissen wir, seit sich Banken untereinander nicht mehr als kreditwürdig betrachten, sich nicht mehr vertrauen.
   Wenn Jesus fragt, wo ist euer Glaube, dann meint er natürlich auch den Glauben derjenigen, die im Vertrauen auf sein Wort ihr Leben führen wollen, eine treue und verlässliche Beziehung in ihm finden. Darauf kann man bauen, da gibt dem Leben ein tragendes Fundament – Sicherheit in allen Lebenslagen.  
   Wie reden wir von unserem Glauben und reden wir überhaupt darüber? Reden wir davon, wenn wir sehen, dass sich Menschen überfordern, sich selbst und andere überfordern, reden wir dann von der Gelassenheit des Glaubens an Gott, von der Hoffnung, dass manches auch von selber wächst und wir nicht alles aus eigener Kraft tun können ?
   Reden wir davon, dass Gott Dinge gelingen und scheitern lässt, aber Kraft und Mut gibt auch wieder Neues und Ungewohntes zu wagen und auch hilft, Rückschläge zu verkraften ? Reden wir davon, das Gott uns annimmt, wie wir sind und unseren Wert nicht nach unserer Leistung bemisst, wenn wir sehen, dass Kinder traurig und bedrückt von der Schule nachhause kommen, wenn sich an sich zweifeln und sich nicht mehr angenommen fühlen? Reden wir davon, dass Gott uns braucht mit unseren Erfahrungen des Lebens und des Glaubens,  wenn ältere Menschen sich abgeschoben und nutzlos fühlen und ihre Weisheit nicht mehr gefragt ist?
   Keiner glaubt für sich allein. Wir sind darauf angewiesen, dass wir und andere Menschen immer wieder hingehen und anderen Gottes Begleitung immer wieder neu zusprechen und damit Mut und Hoffnung in guten, aber auch in schweren Stunden schenken. Den Segen Gottes weiterzugeben, das meint anderen zu zeigen, wie es ist, sein Leben vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen. Weiterzusagen, wie es ist, von Gott bejaht zu sein und damit das eigene Leben bejahen zu können. Wo ist euer Glaube? Reden wir davon, damit es uns gelingt, offen zu sein für andere, Respekt und Toleranz zu wahren, Verantwortung übernehmen zu können, Geduld und Zuversicht auszustrahlen im Glauben und Vertrauen auf Gottes heilende und helfende Zuwendung in seinem Sohn Jesus Christus.
 

ROTTUMBOTE vom 18.12.2008

Rottum Bote
Ausgabe Donnerstag, 18.12 2008
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Evangelische Kirche
 
Adventsstunde bietet Engelrap
 
OCHSENHAUSEN (mp) - Zum Adventsnachmittag der evangelischen Kirchengemeinde Ochsenhausen hat Pfarrer Jörg Schwarz am 11. Dezember wieder zahlreiche Besucher aus nah und fern willkommen geheißen. Diese Veranstaltung hat eine sehr lange Tradition und der neue „Anstrich“, den man ihr in diesem Jahr verpasst hat, ist ihr gut bekommen. Pfarrer Jörg Schwarz eröffnete die gemütliche Runde bei Kaffee, Kuchen und Kerzenschein mit besinnlichen Betrachtungen über  die Bedeutung, die die Adventszeit im Leben der Christen einnimmt.
 
Quasi als „Invasion der Nikoläuse“ zog der gemischte Chor  der Grundschule Ochsenhausen mit leuchtenden Kerzen durch den Gemeindesaal. Die 23 Schüler bewiesen in ihrer Version des Titels „In der Weihnachtsbäckerei“ bewiesen auf ansprechende Weise auch ihr Showtalent; voll dabei waren sie bei ihrem „Engelsrap“ – einem kleinen Augen- und Ohrenschmauß mit präziser Percussion im Vordergrund. Ihr Schlussversprechen „Tschüss bis zum nächsten Mal“ werden die dankbaren Anwesenden gerne wörtlich genommen haben.
 
Für einen weiteren, musikalischen Leckerbissen sorgte Anne Burbulla, Leiterin der Jugendmusikschule Ochsenhausen, die – begleitet von zwei weiteren Flötistinnen -  ihr Auditorium mit einem Duett von Bach sowie mit einer Sonate in C-Dur für Flöte und Klavier erfreuen konnte. Beide Stücke passten exzellent in die Veranstaltung und ernteten daher ebenfalls dankbaren Applaus.
 
Was zunächst kommerziellen Charakter zu haben schien, entpuppte sich im Verlauf der Veranstaltung als eine besinnliche und nachdenkliche Aktion. Frau Stahlhacke aus Erlenmoos hatte eine große Auswahl von Krippenfiguren und Dekorationsartikeln aus Olivenholz präsentiert. Sie stellte damit eine Hilfsaktion für Palästinenser in Bethlehem vor, die diese Figuren in mühsamer Handarbeit herstellen, um mit dem Erlös aus deren Verkauf ihre wirtschaftliche Notlage etwas verbessern zu können. Am Ende ihres Vortrages reichten sich sämtliche Anwesenden spontan die Hände zu einem „übergreifend“ gemeinsam gesprochenen „Vaterunser“. Sie erntete viel Beifall für ihre Aktion und konnte sich im Verlauf der Veranstaltung für einen guten Zuspruch nach den ansprechenden Artikeln bedanken. Der Erlös aus dem Verkauf der vorgestellten Artikel kommt deren Herstellern direkt und in vollem Umfang zugute.
 
Die evangelische Kirchengemeinde hatte in der Herbstausgabe ihres Gemeindebriefes Kinder zur Lösung eines Preisrätsels animiert und am Adventsnachmittag fand schließlich die Siegerehrung statt. Unter dem Beifall aller Anwesenden konnten der Redakteur des Gemeindebriefes, Manfred Pirner, mit Pfarrer Jörg Schwarz nur einer der beiden Siegerinnen, der 8-jährigen Malena Funk aus Maselheim, ihre Urkunde und ein kleines Geschenk persönlich überreichen und sich für die Teilnahme bedanken. Die zweite Siegerin, Lene Track (7 Jahre alt) aus Ochsenhausen, war aus gesundheitlichen Gründen verhindert und bekommt ihre Anerkennung zugestellt.
 
Mit einer besinnlichen Erläuterung des bekannten Werkes von Veit Stoß – „Der Englische Gruß“ – verabschiedete Pfarrer Jörg Schwarz seine Besucher mit dem Wunsch: Gott gebe deinem Leben die Kraft zu blühen, Liebe zu verschenken, Freude weiterzugeben und Hoffnung zu wecken. Du bist gesegnet – sei ein Segen für viele!
 

Schwäbische Zeitung vom 18.12.2008

 
Schwäbische Zeitung
 
Donnerstag, 18. Dezember 2008 / Nr. 295
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Adventsfeier des Gemeindeclubs Ochsenhausen
 
Lichterglanz stärkt das Selbstvertrauen
 
OCHSENHAUSEN (mp) - „Licht durchbricht Isolation“. Unter dieses Motto hat Bettina Oswald die Adventsfeier des Gemeindeclubs Ochsenhausen im evangelischen Gemeindezentrum gestellt.
 
Für Menschen mit psychischen Belastungen ist es ganz besonders wichtig, eine „Insel“ des  Verständnisses und der Begleitung zu haben, auf der sie ernst genommen und für ein Leben in weitgehender Selbstständigkeit gestärkt werden. Ein solcher Ort ist für die Mitglieder  des Gemeindeclubs das evangelische Gemeindezentrum in Ochsenhausen geworden, wo diese Gruppe  allwöchentlich ihre Frühstücks- oder Kaffeetreffs veranstaltet und nun zum vierten Mal ihre Adventsfeier abhielt.
 
So gab zum Eingang das von Bettina Oswald vorgetragene Gedicht „Tragt in die Welt nun ein Licht“ auch das Motto vor. Deutlich gemacht wurde diese Aussage in dem kleinen Stück „Die vier Adventslichter“, in dem vier Mitglieder der Gruppe die vier Adventskerzen lyrisch zum Leben erweckten.
 
 „Wenn der Gemeindeclub seine Adventsfeier hält, ist wirklich bald Weihnachten“, konstatierte auch der Hausherr Pfarrer Jörg Schwarz in seinem Grußwort. Gott schenkt uns damit einen Neuanfang. Seine Betrachtungen machte er fest am „Englischen Gruß“ aus St. Lorenz. Der Künstler Veit Stoß stellt darin den Verkündigungsengel Gabriel mit der zur Schwurgeste erhobenen Hand dar, wie er Maria die frohe Botschaft überbringt.
 
 
Stimmungsvolle Musik erfreut
 
 
Den musikalischen Rahmen schuf hauptsächlich die Familie Jiménez mit ansprechender Flötenmusik, einem stimmungsvoll vorgetragenen Zitherstück, dem Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“ sowie einem spanischen Tänzchen mit dem Titel „Die Glocken läuten überall“. Dazwischen gab es kurze Beiträge aus dem Publikum“ und gemeinsam gesungene Lieder zu Kaffee und Kuchen
 
Es war nicht nur das bunte Programm und ein verlockende Kuchenbüffet, das die besondere Atmosphäre dieser Feier im evangelischen Gemeindezentrum ausgemacht hat. Vielmehr war es die Freude aller Akteure und Teilnehmer, die den Nachmittag überwiegend selbst organisiert und gestaltet haben, darüber, dass auch alle mit Leib und Seele bei der Sache waren und auf diese Weise wieder neue Kraft und Lebensmut gewonnen haben.


Schwäbische Zeitung vom 25.10.2008

 
SCHWÄBISCHE ZEITUNG
 
Samstag, 25. Oktober 2008/ Nr. 250
 
Romanko lässt seine Finger tanzen
 
OCHSENHAUSEN~(mp) - Ein Feuerwerk in Dur und Moll hat Professor Viktor Romanko im evangelischen Gemeindezentrum in Ochsenhausen entfacht. Bajan nennt man in Russland ein Knopfakkordeon; ein Instrument ist eine nach seinen Wünschen entwickelte Einzelanfertigung. Es hat unzählige Register und er zieht sie alle; aus dem Kopf und unplugged.
 
 
   Mit einem Bach-Choral wird der Besucher sofort in die Welt dieses Bajan und dessen ungeheurer Klangfülle entführt - Professor Romanko bietet hohe Perfektion und Authentizität. Dumpfes, näher kommendes Glockengeläut führten den Zuhörer in einer russischen Komposition in eine Klosterkirche, und man verweilte gerne kurz dort, um die brillante Technik des Interpreten zu bewundern. Seine filigrane Technik setzt sich in der Darbietung einer c-Moll-Klaviersonate von Haydn fort, die er leicht wie eine Feder seinem Publikum zuwarf.
 
   Einen Höhepunkt vermittelten die letzten beiden Sätze von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Viktor Romanko ist der einzige Künstler, der diese Komposition auf dem Bajan spielt. Er scheint dabei vier Hände und 20 Finger zu besitzen, die er in atemberaubendem Tempo und mit traumwandlerischer Sicherheit über die Knöpfe seines Instruments jagt. Gebundene Passagen wechseln jäh mit präzisem Stakkato, werden von weichem Vibrato abgelöst und Fortissimo kommt wie ein Echo pianissimo zurück.
 
   Der Musikprofessor kann aber auch anders. Bei einem Musettewalzer lässt er seine Finger tanzen und zaubert Licht und Schatten der Seine-Metropole in den Raum. Mit einem Gershwin-Medley zeigt er dem  Zuhörer die Welt von Porgy and Bess - die Tastatur glüht. Er verfällt in die Improvisation und bringt damit auch sein Publikum in Bewegung. Ein Zuhörer singt ihm den Anfang von „Rock around the Clock“ zu - er nimmt den Ball sofort auf.
 
   Der Rock-Klassiker wird original durchgespielt, gleitet in eine Mozart-Version, die alsbald in einen Blues mit viel Soul abdriftet, bevor er sich aus dein Stil von Beethovens „Dritter“ in den Titel „Caravan“ verwandelt, um als "Kleine Nachtmusik" zu enden. In einer Zugabe wiederholte Professor Romanko dieses Spiel, allerdings mit russischem Liedgut, was gerade bei den zahlreich gekommenen ehemaligen Landsleuten einen Begeisterungssturm auslöst. Mit „Guten Abend, gut Nacht" beendet der sympatische Musikdozent aus Russland sein 90-minütiges Feuerwerk in Dur und Moll.
 
 

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