Konfirmanden auf der Suche nach den Spuren Gottes

Geistliches Wort in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe 20.3.2010
 
Verfasser: Pfr. Jörg Schwarz
 
 
 
Wenn wir am Sonntag, dem Sonntag mit dem Namen „Judika“, wie in vielen Kirchengemeinden miteinander Konfirmation feiern, dann stehen wir damit in einem langen Strom der Tradition. 24 junge Menschen aus unserer Gemeinde haben sich auf diesen Tag gewissenhaft vorbereitet, unterstützt und begleitet von ihren Eltern, Paten und der Gemeinde mit ihrem Pfarrer.
 
 
Vielerlei Erinnerungen werden da wach, an die eigene Konfirmandenzeit, an bunte und frohe Erlebnisse, an eine unbeschwerte Zeit des ersten Verliebtseins, an die eigene Konfirmandengruppe, wo man noch einmal zusammen war, wie damals in der Grundschule, ohne die Trennung in
 
Schularten, an Gottesdienste, die man gemeinsam besucht und gefeiert hat, an den Pfarrer oder die Pfarrerin, Erlebnisse und Einsichten beim Kontakt mit Menschen, die ihren Glauben leben, die eigene Kirche, das Nachdenken über persönlichste Fragen, die man Gott gerne stellen möchte und dem  Entdecken der eigenen Welt des Glaubens.
 
 
Bei all dem ist es nicht einfach für junge Menschen heute sich zurechtzufinden und zu unterscheiden, zwischen einer künstlichen Welt, die sich auf Knopfdruck am Computer einstellt , wo man sich schnell einmal hinflüchten kann und der realen Welt des Glaubens, die geprägt ist von der Erfahrung, dass sie einem Kraft und Halt geben kann, Aufmunterung und Dankbarkeit erleben lässt, wo aber auch Unglück, Leid, Traurigkeit, Schuld und Angst ihren Platz haben, wo man nicht mehr fliehen muss, sondern Geborgenheit erleben darf.
 
 
Schön wäre es, wenn junge Menschen am Ende dieser Konfirmandenzeit oder auch im Rückblick darauf einmal sagen können: „wir haben Gottes Spuren festgestellt“, wie es in einem modernen Kirchenlied heißt. Spuren der Freiheit in Gott, denn das ist ein Charakteristikum unseres evangelischen Glaubens: eine innere Freiheit, die für eine Glaubensrichtung steht, die sich klar ausspricht gegen eine Kirche oder eine Gruppe von Menschen, die einem die Freiheit nehmen, die einen in Zwänge stecken, die Ängste auslösen – denn das kann mit dem Gott, der die Menschen in die Freiheit führen möchte nichts zu tun haben.
 
 
Die Situationen in denen sich die Konfirmanden und Konfirmandinnen zu bewähren haben kommen oft schnell, plötzlich und unerwartet. Und Gruppendruck, Leistungszwang oder  Versagensängste sind leider auch in diesem Lebensalter keine Fremdworte mehr. Auch in diesem Zusammenhang sind wir als Gemeinde immer wieder gefragt, inwieweit wir hier begleitend und auch als Vorbild wahrgenommen werden können, ob wir Abstand nehmen können, wenn uns etwas nicht loszulassen scheint, ob wir andere Menschen wirklich andere Wege gehen lassen können und auch  ob wir letztendlich vertrauen können in Gottes Wegbegleitung.
 
 
„Confirmare“ meint „stärken“, „Stärkung des Glaubens“ und so empfangen junge Menschen im Konfirmationsgottesdienst Gottes Segen, seine Zusage für den weiteren Lebensweg. Oder wie es in einem irischen Konfirmationssegen heisst: Nicht, dass es keine Wolken gibt, nicht, dass jeden Tag die Sonne scheint, nicht, dass dir jemals etwas weh tut, nicht, dass du niemals traurig bist, nein das alles wünsche ich dir nicht.
 
Doch dass du die Erinnerung bewahrst an diesen schönen Tag. Dass du mutig bist, wenn Schwierigkeiten kommen, dass du niemals aufgibst, wenn du mal keinen Ausweg mehr siehst, dass du Freundinnen und Freunde hast, denen du vertrauen kannst, dass du immer Menschen findest, die dir helfen, wenn du Hilfe brauchst, dass jede Gabe, die Gott dir geschenkt hat in dir weiter wächst, dass du immer Kraft hast, andere und auch dich selber froh zu machen.
 
Und dass zu jeder Zeit, ob du glücklich bist oder traurig, Gott mit dir ist und du in Gottes Nähe bleibst.
 
 

Internetportal der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Kalenderblatt


Service


Landeskirche